Wenn man uns fragte warum, wurden alle möglichen Geschichten erfunden, um unsere Entscheidung diese Nachbarn zu meiden zu rechtfertigen. Ich erinnere mich, dass mich das komplet verwirrte und ich das Gefühl hatte, dass das alles falsch war. Ich hatte aber keine Ahnung wie ich damit umgehen sollte und war wahrscheinlich zu schüchtern um etwas zu sagen.
Wir fanden heraus, dass die Familie zwei Kinder hatte. Sie mussten aus ihrem fernen zu Hause fliehen um in einem anderen entfernten, fremden Land zu leben und nun zogen sie in unserer Strasse.
Wir fanden heraus, dass die Familie zwei Kinder hatte. Sie mussten aus ihrem fernen zu Hause fliehen um in einem anderen entfernten, fremden Land zu leben und nun zogen sie in unserer Strasse.
Mitte Sommer bemerkten wir , dass jemand ins Haus eingezogen war, Vorhänge nahmen uns die Sicht. Doch trotz dieser offensichtlichen Veränderung, Kinder konnten wir keine entdecken.
Die Nachbarschaft hatte alle möglichen Theorien über unsere neuen Nachbar aufgestellt, und immer wurde im Flüsterton über die Nachbarn diskutiert, gerade so als ob jemand darauf aus wäre uns zu bestrafen, wenn unsere Ideen gehört wurden. Ich erinnere mich, dass ich langsam immer ängstlicher wurde, wenn jemand über die neuen Nachbarn sprach und ich malte mir die grässlichsten Gestalten als unsere Nachbarn aus.
Eine Nachbarin, ein älteres Mädchen (sie war wirklich die Anführerin in unserer Strasse), kam eines Tages angerannt und berichtete, dass sie tatsächlich die neuen Nachbarn gesehen hätte, wenigstens die beiden Erwachsenen. Sie verlangte von jedem einen Groschen damit sie uns die ganze Geschichte erzählte (sie ist bestimme heute eine gute Geschäftsfrau).
Vor Aufregung drängten wir uns alle um sie herum, und jeder wollte die ‚blutige‘ Beschreibung im kleinsten Detail hören. Ich kann mich nicht mehr erinnern wie sie beschrieben wurden, aber ich erinnere mich an die Albträume in der darauf folgenen Nacht. Wir hatten alle unsere eigene Theorie warum wir nie Kinder sahen, und die Theorien waren wirklich furchtbar.
Jedes Mal, wenn wir am Haus vorbeikamen rannten wir und versuchten einen Blick ins Fenster zu werfen um vielleicht einen flüchtigen Blick auf die Einwohner zu werfen.
Sobald der Sommer endete und der Herbst herannahte, begann die Schule wieder, I vergass das furchtbare Haus und die ‚verlorenen‘ Kinder, obwohl wir immer noch am Haus vorbeirannten, in Wahrheit hatten wir wahrscheinlich vergessen warum eigentlich.
Wie immer zu Beginn des Schuljahres, sah ich ein paar neue Gesichter und freundete mich mit einem Mädchen an. Es stellte sich heraus, meine neue Freundin war meine neue Nachbarin – DIE Nachbarin, die in DEM Haus wohnte!!! Sie hatte ihren Vater und seine neue Frau während des Sommers in einem anderen Land besucht und deshalb konnten wir sie nicht sehen. Diese Neuigkeit vernichtete alle Theorien, die wir Kinder uns ausgedacht hatten.
Ich war unheimlich erleichtert als ich das herausfand und wollte allen die Neuigkeit mitteilen (selbstverständlich ohne dafür Geld zu verlangen). Aus irgendeinem Grund wollten die anderen aber lieber an ihren Geschichten festhalten und die neuen Nachbarn weiterhin meiden, einige machten sich sogar über mich und meine neue Freundschaft lustig.
Wie konnte ich nur?!
Meine Freundin kam nun einmal aus einem vorbelasteten Land, einem Ort von dem wir alle keine Ahnung hatten, also erfanden wir Geschichten …Die Angst vor dem Unbekannten –
Ich mochte das Mädchen wirklich und wir verbrachten viel Zeit miteinander. Im Laufe unserer Freundschaft lernte ich so viel über ein wirkliches zu Hause, Familie, Frieden, Willensstärke und Vertrauen. Unsere Freundschaft war nur kurz, da wir in eine anderes Land umzogen. Doch die Freundschaft war schön und angereichert mit neuen Speisen.
Besonders gerne erinnere ich mich an ihre Mutter, wie sie kochte und an unsere Gespräche über die Speisen.
Ich vergesse niemals, wie ich mich immer wunderbar willkommen fühlte und von besonderen Gerüchen und speziellem Dekor in diesem Haus umgeben war. Die Teller waren so aufregend wie die auf ihnen aufgetischten Gerichte . Ich erinnere mich an (Fladen)Brot, Humus, Dolmades, und an einen Eintopf mit einer braunen, dicken, süß-sauren Soße mit Walnüssen und Granatäpfel bestreut. Der Eintopf sah wirklich nicht einladet aus und ich stellte mir den Geschmack furchtbar vor. Es sah wie eine braune klebrige Masse mit undefinierbaren Klumpen darin aus. Aber sobald ich meine Bedenken überwandt und einen Biss nahm, war ich total begeistert. Der Geschmack war einfach himmlisch und so anders als alles was ich jemals probiert hatte. Er war reich, intensive, süß, sauer, würzig, nussig, dick und gesund, und es schmeckte mir.
Das Gericht präsentierte eine meiner Lieblingsfrüchte – Granatäpfel – eine großartige, exotische Frucht aus Persien. Diese spezielle Frucht spielte schon immer eine besondere Rolle in historischen Schriften in den verschiedenen Religionen. In der Bibel, wird sie als die erste Frucht der Jahreszeit beschrieben, Symbol der Fruchbarkeit, des Wissens und Friedens.
Ich fand später heraus, dass das Gericht wohl Khoresh-e Fesenjan gewesen war und immer wenn ich nun ein perisches Restaurant besuche, bestelle ich mir diese Gericht. Ich erinnere mich an meinen Wunsch mit allen Kindern der Nachbarschaft dieses besonder Gefühl und meine Erfahrungen mit Freundlichkeit, Aufrichtigkeit, und Grosszügigkeit, die ich erfahren hatte, zu teilen.
Ich wünschte mir wirklich, dass alle anderen Kindern einsahen, wie ungerecht ihre Urteile waren. Ich machte diese Erfahrungen zur gleichen Zeit, als ich ‚Wer die Nachtigal stört‘ lass, was einen bleibenden Eindruck auf mein Leben hinterliess und das Buch ist bis heute mein absolutes Lieblingsbuch. Ich erzählte den Kindern, wenn sie nur einen Moment in die Haut der Nachbarn schlüpfen könnten, würden sie verstehen und akzeptieren. Aber in Wirklichkeit, waren sie einfach verängstigt und ignorant. Ich stellte fest wie schwach sie waren und wie leicht es ihnen fiel mit dem Finger auf ‚die Anderen‘ zu zeigen, wo ‚die Anderen‘ doch gar nicht so anders waren.
Meiner Freundin machte das alles gar nichts aus, und sie sagte, dass sie daran gewöhnt sei. Ich bewunderte ihre Stärke. I weisse noch wie ich ihr sagte, wenn doch jeder nur einmal einen kleine Bissen von den Gerichten ihrer Mutter probieren könnte, würden sie bestimmt anders denken. Wir lachten und stellten uns vor, dass die Gerichte ihrer Mutter besondere ‚Friedens-Power‘ hätten, wie sie alle bösen Gedanken, Vorurteile, und Werte in den Köpfen der menschen ausradieren würden.
Wenn das doch möglich wäre!
Um den Herbst einzuleiten, und den Sommer zu verabschieden (schnief, schnief), entschied ich mich für mein persisches Lieblingsgericht als Symbol der neuen Jahreszeit des Friedens, der Liebe und Akzeptanz. Ich stelle das Gericht nach einer Kreation von Najmieh Batmanglij vor und ich muss zugeben, dass Gericht war viel einfacher zu kochen, als ich es mir ausgemalt hatte.
Die größte Herausforderung war das Entsaften der Granatäpfel, einfach aufwendig. Zeitaufwand für das gesamte Gericht war etwas über 2 Stunden. Als ich kochte, lächelte ich über meine Erinnerungen an meinen ersten Eindruck von diesem Gericht und hoffe nun, dass ich mit meiner Speise der Erinnerung gerecht geworden bin.
Ich ende heute mit meiner eigenen Interpretation eines Gebets von Rosh Hashanah: „In der kommenen Jahreszeit mögen wir reich und gesättigt an aller Art von Liebe, Frieden und Toleranz sein, so wie der Granatapfel reich und gesättigt mit Samen ist“
Fesenjan-Pomengranat, Walnut Stew
- 2 medium onions, sliced thinly
- 450 grams of firm tofu
- 4 Tbl. oil
- 1 tea. salt
- 2 cups of walnuts, finely chopped and lightly toasted.
- 4 cups of pomegranate juice
- 1 cup of peeled and cubed or slices butternut squash
- 1/2 tsp cinnamon
- 1/4 tsp. saffron dissolved in 1 tbs. hot water
- Juice of 1 to 2 lemons (optional)
- a dash of sugar (optional)
Instructions
- In a large pan, brown the onions and Tofu in 2 tbsp of the oil.
- Add the salt.
- Fry the butternut squash in the remaining oil ( 2 tbs) until slightly tender and add to the chicken (or tofu).
- Grind the walnuts as finely as you can and add this to the pomegranate juice.
- Add the cinnamon and saffron.
- Add this mixture to the chicken and squash and stir gently.
- Cover and simmer for an hour and a half, stirring occasionally to ensure that the nuts do not burn.
- If the sauce is too thick, then add some water. If it is too sour, then add a bit of sugar. The taste should be sour and sweet with a tang, and the consistency should be thick, like a creamy sauce.
- If the sauce becomes too thick, stir in 1/4 cup warm water
- Serve with basmati rice or Chelow-saffron steamed rice!










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